“HIV-Lüge” – wissenschaftliche Fakten anstatt Weltverbesser-Beiträge

12 04 2008

In etlichen Blogeinträgen wird die Infektion von HIV (human immunodeficiency virus), sogar die Existenz des Viruses verleugnet und somit die Schwere dieser Infektionskrankheit herunter gespielt. Manche Beiträge argumentieren zwar mit wissenschaftlichen Fakten, jedoch sind die Interprationen dieser Fakten teilweise falsch und ohne Begründung, ja teilweise sogar lächerlich.

Einige argumentieren, dass die Reverse Transkriptase (RT) in nicht mit HIV infizierten humanen Zellen gefunden wurde. Es ist jedoch nicht angegeben, ob es sich um Enzymaktivität oder Gensequenzen handelt. Es sei hier gesagt (Wie schon in einem frühren Beitrag meinerseits), dass bis zu ca. 7 %  des menschlichen Genoms aus sogenannten endogenen retroviralren Sequenzen besteht und auf frühere Infektion von Retroviren und die Intregration von viraler DNA in das humane Genom hinweisen.

Jede Zelle besitzt im Nucleus selber eine Reverse Transcriptase die sogenannte human telomerase reverse transcriptase (hTERT). Jedoch ist diese dafür verantwortlich die Telomere, die sich bei der Replikation des Genoms verkürzen, wieder zu verlängern. Die hTERT ist spezifisch für eine kleine sich wiederholende Sequenz (5′-TTAGGG-3′) und die virale Sequenz von HIV besteht, wenn wundert es, nicht aus mehreren hundert Wiederholungen der Sequenz TTAGGG. Wer es nicht glaubt darf gerne auf Pubmed.com nachsehen. Ein weiteres Problem besteht darin, dass die virale RT kein Proof-reading system besitzt und somit eine hohe Fehlerrate beim Einbau von Nukleotiden aufweist. Jedoch bleibt die Telomer-Sequenz immer TTAGGG…

Ein weiteres Indiz dafür, dass HIV existiert, ist die genetische Diversität, die zwischen denn einzelnen Gruppen (M, N, O) bis zu 35% beträgt. Woher kommen die isolierten DNA-Sequenzen mit dieser hohen genetischen Diversität? Da die genetische Diversität zwischen Menschen und Schimpansen nur ca. 1.2 – 2% beträgt, erscheint es mir ehrlich gesagt unwahrscheinlich, dass in den Menschen Sequenzen von gleichen Genen vorkommen, die sich bis 35% unterscheiden.

Eine weitere Geschichte ist die Isolierung von AIDS-Viren. Es gibt keine AIDS Viren. AIDS (Aquired immunodeficiency syndrome) ist ein Syndrom, dass heisst ein Krankheitsbild. AIDS wird diagnostiziert, wenn die CD4+ T -Zellzahl unter 200 pro Mikroliter Blut ausfällt und HI-Viren durch ELISA, Immunoblot oder RT-PCR nachgewiesen werden können. Jedoch ist die Diagnostik von HIV eine andere sehr intereassante und gleichzeitig komplizierte Thematik. Also weiterhin viel Spass nach der Suche von AIDS-Viren.

Warum lassen sich den HI-Viren nicht so einfach isolieren? Durch sehr sensitive Methoden, wie die RT-PCR kann virale RNA während einer Infektion nachgewiesen werden. Die Anzahl der viralen RNA und der infektiösen Partikel im Blut hängt jedoch sehr stark mit dem Immunsystem zusammen. Man unterscheidet dabei zwischen long-term non-progressor, rapid progressor und normal progressor. Dabei sind genetische Umstände, sogenannte Host genetic susceptibility (e.g. MHC-II Varianten und CCR5 Mutationen), genetische Diversität von HIV und weitere Einflüsse (e.g. Coinfektionen mit HSV oder Antikörper, die den Eintritt von HIV in die Zellen durch die Bindung vom Antikörper an den FcR der Zelle fördern kann) verantwortlich.

Die Isolierung von infektiösen Partikeln erweist sich als schwer, da während der latenten Phase oder bei HAART Therapie der sogenannte viral load auf ein nicht detektierbares Level reduziert wird. Es kann sogar sein, dass virale RNA, die in einer um ein vielfaches höhren Anzahl im Blut vorhanden ist, nicht mehr detektierbar ist. Jedoch bleibt die Isolierung von proviraler DNA immer gleich, da die im menschlichen Genom eingebaute virale DNA nicht beeinflusst wird.

Zusätzlich ist die Infektiösität von freien HI-Viren kleiner, als an Zellen (e.g. DC-SIGN von DC) angeheftete Viren.

HIV ist eine komplexe Infektionskrankheit, die nicht nur mit virologischen Erklärungen definiert werden kann. Die Problematik ist weitgehend umfassender und es müssen weitere Bereiche mit einbezogen werden, so zum Beispiel Genetik, Immunolgie, Epidemiologie, klinische Erfahrungen etc. HIV nur aus einem Blickwinkel anzusehen beruht auf einem veralteten Prinzip Infektionskrankheiten zu definieren und die koch’schen Postulate sind nicht auf jede Infektionskrankheit anzuwenden, da sich nicht jede Infektionskrankheit nach den einfachen Verhaltensmuster von bakteriellen Infektionen verhält. Ein weiteres Beispiel dafür sind Prionen. 

Die Existenz von HIV zu verleugnen, beruht nach meinen Ansichten darauf, dass die unbequeme Thematik umgangen wird und aus Bequemlichkeit, sich der Thematik nicht in einer gesamthaften Betrachtung zu widmen. Jedoch führt diese Art und Weise , neben dem gefährlichen Effekt, dass diese STD nicht mehr ernst genommen werden könnte, nicht zum erwünschten Ziel, HIV vollumfänglich zu begreifen, auch wenn eine Heilung vielleicht nie möglich sein wird.

 

Literatur:

Levy A. J. HIV and the Pathogenesis of AIDS, 3th edition. ASM Press Washington DC (2007)

Nature Reviews Immunology

Nature Reviews Molecular Cell Biology